Natur erleben

Moor-Momente

Was, zum Kuckuck, ist denn das?

Die Wiesen im Bereich des Wurzacher Rieds färben sich nun zunehmend bunt. Die Kuckucks-Lichtnelke mit ihren leuchtend rosa Blüten sticht derzeit besonders heraus.

Die auffällige Blume gehört zur Pflanzenfamilie der Nelkengewächse und ist eine typische Art auf nassen oder feuchten, nährstoffreichen Böden. In den Niedermoor-Wiesen entlang des Rieds kommt sie häufig vor, ist aber auch im Blütensaum entlang der Wurzacher Ach beim Klosterplatz und im hinteren Kurpark zu finden. Die rosa Kronblätter der Blüte sind tief eingeschnitten und sehen mit ihren schmalen Zipfeln wie ausgefranst aus. Die Blätter sind schmal, ungeteilt und sitzen sich jeweils am Stängel gegenüber. Die Namensgebung der Pflanze, deren wissenschaftlicher Artname übersetzt „Blume des Kuckucks“ bedeutet, bezieht sich auf die Blütezeit, da zeitgleich der Kuckuck mit seinen Rufen das Frühjahr verkündet. Die filigranen Blüten, die eine große Anziehungskraft auf Insekten ausüben, sind es außerdem wert, sie einmal genauer zu betrachten. Dabei fällt am Stängel der Pflanze noch etwas auf: Ein Schaumtropfen, der geradezu aussieht, als wäre die Pflanze angespuckt worden. Kuckucksspeichel wird dieser Schaumballen im Volksmund genannt. Da dieser zeitgleich mit dem Rufen der Kuckucke im Mai auftritt, glaubte man früher, der Vogel hätte die Pflanze mit seinem Speichel versehen, was ebenfalls zur Namensgebung der Kuckucks-Lichtnelke beigetragen hat.

Heute weiß man allerdings, dass der Schaumtropfen von der Larve der Schaumzikade erzeugt wird. Sie produziert eine eiweißhaltige Flüssigkeit, in die sie Luft einbläst und so ein dichtes Schaumnest bildet. In dessen Schutz kann sich die Larve ungestört von Pflanzensäften ernähren, bis sie sich schließlich zu einem kleinen, grünlichen Insekt mit dachartig angeordneten Flügeln entwickelt. Schaumzikaden sind die Rekordhalter in puncto Hochsprung. Mit weniger als einem Zentimeter Körperlänge springen sie bis zu 70 Zentimeter hoch – für Menschen würde dies eine Sprunghöhe von über 200 Meter bedeuten. Es lohnt sich also doppelt, beim nächsten Spaziergang auf den bunten Wiesen die Kuckucks-Lichtnelke zu suchen, genau zu betrachten und zu staunen, wie vielfältig und erfindungsreich, zum Kuckuck, unsere Natur doch ist. 
 

 

 

Mooreidechse im Wurzacher RiedQuelle: NAZ

Trickreiche Sonnenanbeterin

Wer liegt denn da auf dem Bohlenpfad faul in der Sonne? Es ist die Mooreidechse, denn sie besiedelt gerne bodenfeuchte Lebensräume wie Moore und Feuchtgebiete und ist die häufigste Eidechsen-Art im Wurzacher Ried. 

Eidechsen sind wärmeliebend und kommen im feucht-gemäßigten Klima Mitteleuropas deshalb nur eingeschränkt vor. Die Mooreidechse jedoch ist weniger kälteempfindlich als andere Arten und besiedelt neben Mooren auch Wälder und den Alpenraum. Sie wird dann Wald- bzw. Bergeidechse genannt. Bereits ab Februar verlassen die Mooreidechsen ihre Winterquartiere, um auf den Bohlenpfaden im Wurzacher Ried die ersten wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen. Sie sind auf Wärme von außen angewiesen, um ihren Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Noch sind sie relativ unbeweglich und können bei vorsichtiger Annäherung gut beobachtet werden. Dabei fällt ihr relativ kurzer Körper mit dem kleinen, rundlichen Kopf auf. Der Schwanz hingegen kann die doppelte Körperlänge einnehmen. Die Grundfarbe ist meist dunkelbraun bis schwarzbraun, manchmal mit bronzefarbenem Schimmer. Auf beiden Seiten der Rückenlinie befindet sich meistens ein heller, schmaler Streifen, der auch unterbrochen sein kann. Rücken und Flanken tragen kleine, schwarze und weiße Flecken, die nebeneinander liegen. 

Als Anpassung an die kühlen Temperaturen ihrer Lebensräume weisen Mooreidechsen eine Besonderheit auf: In unseren Breiten legen sie, als einzige der heimischen Eidechsen, keine Eier, sondern bringen lebende Jungtiere zur Welt. Die befruchteten Eier werden im Körperinneren der Mutter ausgetragen. Die trächtigen Weibchen suchen deshalb aktiv geeignete Sonnplätze zum „Erbrüten" ihres Nachwuchses auf. Dies macht sie unabhängig vom Auffinden geeigneter Eiablageplätze. Bei der Geburt sind die meist drei bis zehn Jungtiere zunächst noch von einer weichen Eihaut umhüllt, aus der sie sich kurz nach der Geburt befreien. 

Mooreidechsen sind Bodentiere, können aber auch gut klettern. Bei Gefahr flüchten sie rasch in deckungsreiche Vegetation und können sogar Wasserflächen durchschwimmen. Und packt doch einmal ein Beutegreifer zu, hat die Mooreidechse, wie alle Eidechsen, einen besonderen Trick: Sie kann aktiv ihren Schwanz an einer Art Sollbruchstelle abwerfen. Als sich windender Wurm verwirrt er den Angreifer und verschafft der Eidechse Zeit zur Flucht. Der Schwanz wächst wieder ein Stückchen nach, der Wurm-Trick funktioniert jedoch nur ein Mal. Schauen Sie beim nächsten Sonnenspaziergang durchs Ried doch mal genau hin: Mooreidechsen mit einem auffallend kurzen, rundlichen Schwanz, haben ihrem Fressfeind schon mal ein Schnippchen geschlagen. 
 

 

WollgrasQuelle: NAZ

Ganz in Weiß

So präsentieren sich allmählich die Hoch- und Übergangsmoore im Wurzacher Ried. Das Wollgras wiegt seine Köpfe im Frühjahrswind und verwandelt die Flächen in ein Meer aus weißen Wattebäuschen. Dabei sind es nicht die Blüten, sondern die Fruchtstände, die so auffällig hervortreten und die Blicke der Riedbesucher auf sich ziehen. 

Das Scheidige Wollgras, oder auch Moor-Wollgras genannt, gehört zur Pflanzenfamilie der Sauergrasgewächse. Mehrere Pflanzen bilden oft große Horste, doch jede Pflanze trägt am Ende ihres Stängels nur einen Blütenkopf. Das Scheidige Wollgras ist eine Charakterart der Hochmoore, also derjenigen Moore, die nur von Regenwasser gespeist werden und dadurch ganz besondere Eigenschaften aufweisen: Sie sind nährsalzarm, sauer und dauerhaft nass. Unter solchen Bedingungen können nur speziell angepasste Tiere und Pflanzen überleben. Das Scheidige Wollgras ist ein solcher Spezialist. Jedes Jahr bildet die Pflanze ein neues Wurzelstockwerk aus und wächst somit mit der umgebenden Vegetation in die Höhe. Ein guter Trick, um nicht von den Torfmoosen überwachsen zu werden.

Die Blüten des Wollgrases erscheinen bereits ab Februar und sind unscheinbar grün-gelblich. Nach dem Abblühen verlängern sich die Blütenkelche und bilden den charakteristischen weißen Wollschopf, der früher als Wundwatte oder zum Füllen von Kissen verwendet wurde. Wie bei der Pusteblume des Löwenzahns hängt an jedem Faden der abgetrockneten Blütenhülle ein kleiner Samen, der nur darauf wartet, mit dem nächsten Wind per Luftkurier fortgetragen zu werden. So kann das Wollgras neue und auch weiter entfernte Flächen besiedeln. Es spielt daher bei der Renaturierung geschädigter Hochmoorflächen eine wichtige Rolle, da es diese rasch besiedeln kann. Die absterbenden Pflanzenteile sind zudem wichtige Torfbildner und tragen zum Aufbau neuer Torfschichten bei. Eindrucksvoll zeigt sich das Wollgras in den nächsten Wochen entlang des Torflehrpfades im Oberen Ried, wo die Schirmchenflieger weite, ehemalige Torfabbauflächen schmücken und auch schon fleißig Torf gebildet haben. 
 

 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.  
 

 

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