Natur erleben

Moor-Momente

Der hat Biss – das ist gewiss

Gestatten, ich bin Castor fiber – man nennt mich auch ganz einfach: Biber. 
Im Ried, da bin ich gern zu Haus, da lebe ich mich so richtig aus.
Nachdem ich lange ausgerottet war, bin ich seit 20 Jahren nun wieder da.

Ich bin das größte Nagetier, auf jeden Fall in Deutschland hier.
1,20 lang, 30 Kilo schwer, manchmal noch ein bisschen mehr.
Wach bin ich bei Dämmerung und in der Nacht, am Tag hingegen ruhe ich sacht.
Schwimmen und Tauchen, das liebe ich sehr, doch Laufen an Land, das fällt mir recht schwer.

Für ein Leben am Wasser bin ich gebaut, die Augen schützt beim Tauchen eine Haut.
Auch Ohren und Nase kann ich verschließen, so kann kein Wasser hinein fließen.
Mein Fell, das ist ganz besonders dicht, darum friere ich nach dem Tauchen nicht.

Mein breiter Schwanz, der heißt auch Kelle, mit ihr kann ich schwimmen und steuern ganz schnelle.
Bei Gefahr, da klatsch ich aufs Wasser ganz laut, so dass meine Familie ganz zügig abhaut.

Diese Kelle hat Schuppen wie ein Fisch, drum landete ich früher bei Mönchen am Tisch.
Weil zur Fastenzeit Fleisch verboten war, doch zum Glück war der Biber-Fisch dann da.
Mein Fell verarbeitete man zum Hut, der wärmte seinen Träger gut.
Auch für mein Bibergeil wurde ich gejagt, als Medizin war das sehr gefragt.

Auf einmal gab‘s keine Biber mehr, so mancher bedauerte dies dann sehr.
Aber nun bin ich wieder zurück, für die Natur ist das großes Glück.

Ich baue Dämme und Burgen aus Holz, als Burgherr bin ich richtig stolz.
Den Eingang zur Burg leg ich unter Wasser an, weil ein Fuchs nun mal nicht tauchen kann.

Im Winter fresse ich Knospen und Rinden, im Ried kann ich diese häufig finden.
Weiden und Pappeln, die schmecken am besten, nur notfalls muss ich auch mal Fichten testen.
Ist ein Baum gefällt, bleibt er besser liegen, sonst muss ich den nächsten niederbiegen.

Aber nicht jeder findet es gut, was so ein Biber gerne tut. 
Gefällt mir der schöne Apfelbaum, ist es vorbei mit dem Kuchentraum. 
Der See zu hoch, die Wiese zu nass, das führt bei so manchem bisweilen zu Hass.

Doch im Wurzacher Ried bin ich gerne gesehen, durch mich ist schon manches Gute geschehen.
Ich staue das Wasser, gestalte das Moor, viele weitere Tiere kommen dort vor.

Nun geht hinaus in die Natur, und sucht am Wasser meine Spur.
Und seht ihr tatsächlich mal einen Biber, dann grämt euch nicht, erfreut euch lieber.


Von Nicole Jüngling, Naturschutzzentrum

 

 

 

Pfeifengras im Wurzacher RiedQuelle: Thomas Hoppe

Herbstgold

Die Tage werden nun kürzer, die Temperaturen niedriger. Dies sind die Signale für Laubbäume, ihr wertvolles, grünes Chlorophyll aus den Blättern zurückzuziehen und für das nächste Jahr zu speichern. Damit geben sie den Blick auf die gelben und roten Farbstoffe frei. Doch nicht nur das Herbstlaub setzt nun farbige Akzente in der Natur. Auf den Riedwiesen verleihen auch die Pfeifengräser der Landschaft einen gelblichen oder rötlichen Schimmer.

Pfeifengräser gehören zur Familie der Süßgräser. Sie besitzen runde Stängel mit knotenartigen Verdickungen. Als Besonderheit unter den Süßgräsern liegen die Stängelknoten beim Pfeifengras in Bodennähe, so dass die Halme, die über einen Meter hoch werden können, scheinbar knotenlos sind. Diese langen, harten und glatten Halme wurden früher zum Reinigen der langen Tabakspfeifen verwendet. Daher der Name Pfeifengras. Während im Sommer blau-grüne Farbtöne die Pflanze prägen, färbt sie sich im Herbst von gelb über gelbbraun bis hin zu rotbraunen Tönen. 

Pfeifengräser bevorzugen feuchte bis nasse, nährstoffarme Böden wie zum Beispiel Niedermoorwiesen. Solche Flächen sind unbrauchbar als Viehfutter, wurden aber traditionell im Herbst gemäht und als Einstreumaterial in den Ställen verwendet. Da sie nicht gedüngt wurden, entstanden im Laufe der Zeit magere, nährstoffarme Standorte, die Streuwiesen. Neben Pfeifengräsern wachsen hier auch seltene Knabenkraut-Orchideen, Teufelsabbiss oder Weidenalant. Als Anpassung an den mageren Standort verlagern Pfeifengräser im Herbst alle wichtigen Stoffe in die Pflanzenbasis, so dass diese beim Mähen nicht verloren gehen. Zudem gehen sie eine Lebensgemeinschaft mit Pilzen ein, die sog. Mykorrhiza, die im Gegensatz zu Bäumen bei Gräsern relativ selten ist. 

Streuwiesen sind ein Kulturgut und auf die Pflege durch den Menschen angewiesen. Im Laufe der Modernisierung der Landwirtschaft gingen sie in unserer Landschaft größtenteils verloren. Im Wurzacher Ried gibt es noch ca. 15 Hektar Streuwiesen, die durch entsprechende Pflegemaßnahmen erhalten werden. So kann man aktuell vor den Toren des ehemaligen Haidgauer Torfwerkes, aber auch entlang des Torflehrpfades, das herbstliche Farbenspiel im Sonnenlicht beobachten. „Oktober so hold, färbt die Landschaft nun Gold“ sagt der Volksmund.

 

 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.  
 

 

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