Natur erleben

Moor-Momente

Seltene Schönheit im Ried

Zugegeben, nicht jeder findet Schlangen so faszinierend wie einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried. Jedoch verdient es schon eine gewisse Bewunderung, mit welcher Leichtigkeit diese Reptilien ganz ohne Beine über den Boden gleiten und wie perfekt sie an ihren Lebensraum angepasst sind. 

Im Wurzacher Ried leben zwei Arten von Schlangen. Zum einen die Ringelnatter, ungiftig und an den gelben Halbmonden am Kopf gut erkennbar, und zum anderen die Kreuzotter, die nur noch an wenigen Orten in Deutschland vorkommt. Den Namen hat ihr das elegante, dunkle Zickzack-Band auf ihrem braunen oder grauen Rücken gegeben, das wie aneinandergereihte Kreuze aussieht. Insbesondere in Moorgebieten kann die Kreuzotter auch ganz schwarz gefärbt sein und wird deshalb auch Moorviper oder Höllenotter genannt. Ihre schlitzförmige, senkrecht stehende Pupille zeigt die Zugehörigkeit zur Familie der Vipern an. Von allen Schlangen hat sie das nördlichste Verbreitungsgebiet. Verschiedene Anpassungen helfen der Kreuzotter, auch mit niedrigeren Temperaturen zurechtzukommen. Durch das Abspreizen der Rippen kann sie ihren Körper verbreitern und so mehr Sonnenwärme aufnehmen. Zudem bringen die Weibchen lebende Junge zur Welt. Sie brüten die Eier im Mutterleib aus, da diese dort ständig den wärmenden Sonnenstrahlen ausgesetzt sind. Während oder direkt nach der Geburt durchstoßen die jungen Schlangen dann die dünne Eihaut.

Kreuzottern sind sehr scheu und flüchten bei Gefahr zunächst. Treibt man sie jedoch in die Enge, richten sie sich drohend auf. Spätestens jetzt heißt es Rückzug, ansonsten droht der Zubiss. Kreuzottern haben allerdings nur einen geringen Giftvorrat. Diesen benötigen sie für die Beutejagd und verschwenden ihn nicht bei der Verteidigung. Bei einem Abwehrbiss setzen sie daher meistens kein oder nur sehr wenig Gift ein. Übermäßige Angst ist also nicht nötig. Mit Vorsicht und Respekt kann man sich durchaus freuen, wenn man bei einem Riedspaziergang eine Kreuzotter beim Sonnenbaden am Wegesrand entdeckt. 
 

 

 

Wiesen-KnöterichQuelle: NAZ

Schlangenschutz durch Pflanzenkraft

Haben Sie Angst vor Schlangen? Das wäre jedenfalls kein Grund, sich zu schämen. Vor wenigen Jahren beschrieben schwedische Forscher in einer Studie, dass die Angst vor Schlangen angeboren und fest im menschlichen Gehirn verankert sei. Gut, wenn man in diesem Fall einen Wiesen-Knöterich in der Nähe hat, der auch den Namen Schlangen-Knöterich trägt.  

Diese rosa blühende Pflanze mit dem walzenförmigen Blütenstand, der im Volksmund auch „Zahnbürste“ genannt wird, ziert derzeit die nassen Wiesen im Wurzacher Ried, besonders im neuen Kurpark. Sie ist ein typischer Vertreter aus der Familie der Knöterichgewächse, da an den bis zu einem Meter langen Stängeln auffällige Verdickungen, die sogenannten Knoten, sitzen. Der Schlangen-Knöterich trägt diesen Namen, da er unter der Erde eine S-förmig gebogene, wurzelähnliche Verdickung hat. Dieses sogenannte Rhizom wurde früher als Heilmittel bei Schlangenbissen eingesetzt. Besser war es jedoch, Schlangenbisse und andere böse Zauber direkt abzuwehren. Dazu nagelte man das S-förmige Knöterich-Rhizom einfach an die Haustüre. Für die Pflanze dient die stärkehaltige Knolle als Speicher- und Vermehrungsorgan. In der Pflanzenheilkunde wird sie besonders bei Durchfall und Magen- und Darmkatharren oder zur Wundheilung eingesetzt.
Außerdem liefern die jungen Blätter und Stängel des Wiesen-Knöterichs ein ausgezeichnetes Wildgemüse. Der Verzehr sollte jedoch gemäßigt sein, da alle Pflanzenteile, wie auch beim Rhabarber, Oxalsäure enthalten, die zu Unverträglichkeiten führen kann. Erfreuen Sie sich daher einfach an der rosa Blütenpracht in den Feuchtwiesen. Bienen und andere Insekten danken es Ihnen, denn sie finden in den Blüten reichlich Nahrung. Und übrigens: Ob Sie sich im Wurzacher Ried wirklich vor Schlangen fürchten müssen, erfahren Sie in den nächsten Moor-Momenten, da geht es nämlich um die Kreuzotter. 
 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können. 


 

 

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