Natur erleben

Moor-Momente

Knallgelber Überlebenskünstler

„Ein Blatt zu falten, ist nicht sehr schwer. Ein ganzes Bündel - schon etwas mehr. Doch es wird für völlig unmöglich gehalten, nur ein einziges Mal eine Zitrone zu falten. Ich habe das schon wiederholt probiert - und war immer nur mit Saft beschmiert. Das kann nur einer - als Junger oder Alter. Darum heißt er auch so. Der Zitronenfalter.“ 

Mit diesen Zeilen stellt Hanns Passecker in seinen Pfalzauer Gedichten aus dem Ennsthaler Verlag den heimischen und auffälligen Schmetterling augenzwinkernd vor. Im Wurzacher Ried ist der Zitronenfalter aktuell an vielen Stellen  zu sehen: An den rosaroten Blütenkolben des Blutweiderichs entlang der Wurzacher Ach, in den Blumenbeeten beim Kurhaus  oder rund um den Weiher im hinteren Kurpark. Die Falter sind vor kurzem aus ihrer Puppe geschlüpft und suchen nun nach Nektar. Während die Männchen leuchtend gelb sind und in der Tat an eine Zitrone erinnern, sind die Weibchen grünlich-weiß gefärbt. Die Vorder- und Hinterflügel sind an der Spitze jeweils in einen kurzen Zipfel ausgezogen. Daran kann man auch die Weibchen von einem sehr ähnlich aussehenden Schmetterling, dem Kohlweißling, unterscheiden. Noch bis zum Spätsommer kann man die Zitronenfalter beim Blütenbesuch beobachten. Dann ziehen sie sich in ihr Winterquartier zurück. Als einzige heimische Schmetterlingsart setzen sie sich zur Winterstarre frei in die Vegetation, meist bodennah zwischen Gräser oder unter Brombeerblätter. Dabei können sie zeitweise komplett unter einer Schneedecke verschwinden oder von Eiskristallen umgeben der Kälte trotzen. Ein eingelagertes Frostschutzmittel, das die Konzentration der Zellsäfte erhöht, verhindert das Erfrieren.

Schon bei den ersten Sonnenstrahlen im Februar kann man bereits die ersten Zitronenfalter wieder fliegen sehen. Sie paaren sich im Frühjahr und das Weibchen legt die Eier an die Futterpflanzen seiner Raupen ab. Dies sind insbesondere der Faulbaum oder der Echte Kreuzdorn. Die Falter sterben dann, während sich eine neue Generation zunächst als Raupe und dann als Puppe entwickelt, aus der dann wieder im Hochsommer ein Falter schlüpft. Mit diesem Zyklus und bis zu zwölf Monaten Lebenszeit hat der Zitronenfalter die höchste Lebenserwartung aller heimischen Schmetterlinge. Der Blütenreichtum sowie das reichliche Vorkommen von Faulbaum im und um das Wurzacher Ried bieten ihm beste Bedingungen zum Überleben – und reichlich Möglichkeiten, ihn zu beobachten. Viel Vergnügen. 
 

 

 

Blauflügel-Prachtlibelle im Wurzacher RiedQuelle: NAZ

Funkelnde Tänzer am Bach

Augen auf bei einem Spaziergang entlang der Wurzacher Aach oder an den Gewässerläufen im Wurzacher Ried. Was blitzt da in der Sonne wie ein funkelnder, blauer Diamant? Es sind die Männchen der Prachtlibellen, die über das Wasser tanzen und auf den ersten Blick fast wie Schmetterlinge aussehen. 

Biologen teilen Libellen in zwei Gruppen ein. Zum einen in Großlibellen, die im Sitzen ihre Flügel seitlich abspreizen, und zum anderen in Kleinlibellen, die ihre Flügel über dem Hinterleib zusammenklappen. Prachtlibellen gehören zu den Kleinlibellen. In Mitteleuropa wie auch im Wurzacher Ried kommen zwei Arten vor: Die Blauflügel-Prachtlibelle und die Gebänderte Prachtlibelle. Bei den Männchen der Blauflügel-Prachtlibelle hat die gesamte Flügelfläche eine dunkelblau schillernde Färbung. Bei der Gebänderten Prachtlibelle sind die Flügel mit einer breiten, dunkelblau schillernden Binde gezeichnet, die die Flügelspitze und die Basis freilässt. Der Körper schillert jeweils leuchtend blau-grün. Hier zeigt die Natur in puncto Farbenspiel eindrucksvoll ihre Schönheit. Die Weibchen sind vergleichsweise unscheinbar mit braun oder grün getönten Flügeln. Beide Arten kommen an Bächen und Flüssen vor. Insbesondere die Blauflügel-Prachtlibelle ist sehr empfindlich gegenüber Verschmutzungen und Verbauung von Gewässern und ist daher vielerorts schon selten. Ihre Häufigkeit im Wurzacher Ried zeigt einmal mehr, wie wertvoll dieser Lebensraum ist.

Besonders auffällig ist das Balzverhalten der Prachtlibellen. Das Männchen umwirbt das Weibchen mit auffallenden, hin- und herpendelnden Balztänzen und zeigt ihm die besten Eiablageplätze an. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in flutende Wasserpflanzen und taucht dabei auch unter die Wasseroberfläche ab. Das Männchen überwacht die Eiablage und verjagt Nebenbuhler. Gegenüber Menschen sind Libellen übrigens harmlos. Sie können weder stechen noch beißen und somit sorglos beobachtet werden. Durch ihre großen und sehr beweglichen Augen sowie die Möglichkeit, jeden der vier Flügel durch Muskeln einzeln zu bewegen, sind Libellen die Flugakrobaten unter den Insekten.
 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können. 


 

 

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