Natur erleben

Moor-Momente

Leutsignale aus dem Moor

Wo Feuchtwiesen noch feucht sind und Wasserläufe natürlich fließen, glänzen derzeit die Blüten der Sumpfdotterblume in einem satten Dottergelb. Sie ist eine typische Frühlingsblume auf nassen Böden und somit auch im Wurzacher Ried weit verbreitet. Ihre hohlen Stängel sorgen für eine gute Belüftung in diesen Lebensräumen. 

Die Sumpfdotterblume gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Sie hat allerdings nicht die typischen gespreizten Blätter, die einem Hahnenfuß ähneln. Stattdessen sind die Blätter ungeteilt und herz- oder nierenförmig. Sie können einen Durchmesser von bis zu 15 cm haben. Im Volksmund wird die Pflanze auch Butterblume genannt. Ein Name, der für verschiedene Pflanzen gilt, deren Blüten zum Färben von Butter verwendet wurden. Im Mittelalter setzte man die Sumpfdotterblume als angebliches Mittel gegen Gelbsucht ein, die Volksmedizin nutzte sie z.B. bei Hauterkrankungen. Auch eine abschreckende Wirkung auf Hexen sprach man ihr zu. Dazu musste man sie in der Walpurgisnacht pflücken und vor den Viehstall legen. Über ihre Giftigkeit gibt es widersprüchliche Angaben. Weidevieh jedenfalls meidet die Pflanze. 

Blütenbesucher und Bestäuber sind insbesondere Käfer, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Zudem ist die Pflanze ideal an die Ausbreitung im Wasser angepasst. Die Blüten sind bei Regen geöffnet und füllen sich mit Wasser. Männliche und weibliche Blütenteile stehen auf gleicher Höhe wie der Wasserspiegel, so dass sich die Pflanze auch selbst bestäuben kann. Und noch einen besonderen Trick hat sich die Sumpfdotterblume für ihre Verbreitung ausgedacht: Die sternförmig angeordneten Früchte spreizen sich bei Nässe stark auf, so dass aufschlagende Regentropfen die Samen weit heraus schleudern. Sie sind schwimmfähig und können sich so entlang von Gewässern verbreiten. Somit auch in den Niedermoorbereichen des Wurzacher Rieds, wo sie derzeit an vielen Stellen aus Wiesen und Gewässern leuchtet. Viel Spaß beim Entdecken. 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ ab sofort regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können. 

 

 

 

Der KuckuckQuelle: Pixabay

Kuckuck, Kuckuck, ruft‘s aus dem Ried!

Man hört ihn wieder: den Kuckuck. Frisch zurückgekehrt aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika ist er ein typischer Frühlingsbote. Seine Rufe gelten als „Glockenschläge der Natur, die die warme Jahreszeit einläuten“. 

Es ist leicht, ihn an seiner Stimme zu erkennen, denn das Männchen ruft in der Paarungszeit immer wieder seinen eigenen Namen. Erhascht man einen Blick auf den Kuckuck, hält man ihn leicht für einen Sperber. So gut täuscht er das Aussehen und die Flugweise dieses Greifvogels vor. Im Laufe der Evolution hat er seinen Brutparasitismus perfekt entwickelt. Wenn das Weibchen sperbergleich über das Schilf fliegt, kommen die brütenden Singvögel förmlich herausgeschossen, um ihren Brutplatz zu verteidigen und geben dem Kuckuck damit ihren Neststandort preis. Um die zwölf Eier, manchmal sogar doppelt so viele, verteilt das Kuckucksweibchen dann in die Nester der Wirtsvögel, pro Nest jeweils eines. Ein wahrer Kraftakt, denn die Eier hat es in seinem Körper schon angebrütet. Die Kuckucksjungen schlüpfen deshalb meist schneller als die Stiefgeschwister und werfen deren Eier aus dem Nest. Anschließend übernehmen die Wirtseltern die kräftezehrende Aufzucht. 

Jahrhundertelang war dieses Zusammenspiel von Kuckuck und Wirtsvögeln optimal aufeinander abgestimmt. Im Zuge der Klimaveränderungen könnte es  jedoch ins Wanken geraten. Während einige Wirtsvögel zunehmend früher aus den Winterquartieren ins Ried zurückkehren, ist der Kuckuck als Langstreckenzieher weniger flexibel. Kommt er aus Afrika zurück und seine Wirtsarten sind schon zu weit im Brutgeschäft fortgeschritten, fällt sein Betrug auf und die Wirtseltern befördern die Kuckuckseier kurzerhand aus dem Nest. Der Kuckuck ist daher möglicherweise ein Verlierer der Klimaveränderungen. 

Bei einem Spaziergang im Wurzacher Ried ist der Kuckuck aktuell vielerorts zu hören. Und wer beim Ruf des Kuckucks mit Münzen klimpert, der wird das ganze Jahr über genügend Geld haben. So sagt man zumindest – probieren Sie es doch einfach mal aus!


 

 

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