Natur erleben

Moor-Momente

Glänzendes Frauenhaar im Spätsommerwind

Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu. Wer jetzt durch das Ried spaziert, wird begleitet von tausenden silbrigen Spinnfäden, die durch die Lüfte schweben. Manche nur wenige Meter weit, andere mehrere Kilometer, bis sie von Pflanzen oder anderen Strukturen aufgefangen werden. 

„Luftschiffen“ nennt man dieses Phänomen, bei dem sich Spinnen von einem erhöhten Startplatz aus in die Lüfte tragen lassen, um an einen anderen Ort zu gelangen. Vom Winde verweht und gesichert am seidenen Faden. Nicht nur diese Flugfäden fallen jetzt auf, auch Spinnennetze stechen jetzt mehr denn je ins Auge. Zahlreiche Jungspinnen probieren ihre Fähigkeiten im Netzbau aus. Die bald sterbenden Alttiere geben zum Abschluss nochmal alles und bauen besonders große Netze. Es ist Altweibersommer, eine Phase des Sommers, die eben wegen dieser silbernen, im Tau glänzenden und an grauweißes Frauenhaar erinnernden Spinnweben ihren Namen erhielt. 

Spinnfäden sind eines der vielen Wunder der Natur. Das Netz einer Radnetzspinne kann aus über 20 Meter Seide bestehen. Die einzelnen Fäden sind etwa hundertmal dünner als ein Menschenhaar und trotzdem reißfest und dehnbar. Eine Kombination, die in der Technik heiß begehrt ist. Doch bis heute ist es noch nicht gelungen, Spinnfäden in ihrer Perfektion exakt nachzubauen. Radnetzspinnen bauen in der Regel alle paar Tage ein neues Netz. Die alten Fäden fressen sie meistens auf – ein prima Recycling.

Eine besonders auffällige Vertreterin der Radnetzspinnen ist die Wespenspinne. Ursprünglich war sie vor allem im südlichen Europa verbreitet, konnte sich aber aufgrund der zunehmenden Erwärmung immer weiter nach Mitteleuropa ausbreiten. Die Weibchen können fast 2 cm lang werden und sind deutlich größer als die Männchen. Wespenspinnen fangen in ihren Radnetzen vor allem Heuschrecken. Deshalb sind sie auf den artenreichen Wiesen am Riedrand häufig zu beobachten. Der Name spielgelt ihr Aussehen perfekt wieder. Die wespenartige Färbung schreckt mögliche Feinde ab, hat aber noch einen weiteren Vorteil: Durch die Netze der Wespenspinnen zieht sich ein weißes Zickzack-Band. Bei Gefahr wird das Netz in Schwingungen versetzt. Durch ihre Zeichnung verschmilzt die Spinne dabei optisch mit dem Zickzack-Band und ist nicht mehr zu erkennen. Doppelt geschützt wirkt eben besser. 
 

 

Wiedervernässung im Wurzacher RiedQuelle: NAZ

Niedergang und Neubeginn

Für die einen sind es sterbende Bäume, für die anderen ist es ein Neubeginn hin zu ursprünglicher Moorlandschaft: In den wiedervernässten Flächen im Bereich der ehemaligen „Haidgauer und Zeiler Torfwerke“ im Wurzacher Ried ist die Moorentstehung in vollem Gange. 

Im Zuge der Torfgewinnung wurden im westlichen Teil des Rieds bis zum Jahr 1995 ca. 250 ha Hochmoor abgebaut.  Zahlreiche Entwässerungsgräben wurden angelegt und leiteten das Wasser aus den Moorflächen ab. Die Moore fielen trocken, der Torf konnte abgebaut werden. Die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Hochmoore ging so verloren. Nach dem Ende des Abbaus  eroberten zunächst Fichten und andere schnellwüchsige Baum- und Straucharten die ehemaligen Torfstiche. Über die Jahre hinweg entwickelte sich ein sogenannter Sekundärwald. Ab den 1990er Jahren wurden schrittweise mehr als 3000 Entwässerungskanäle und –gräben mit Torf-und Holzdämmen wieder geschlossen. Die zwischenzeitlich durch die lange Austrocknung aufgewachsenen Bäume ertragen die nun wieder steigenden Wasserstände meist nicht, so dass sie nach und nach absterben. 

Verständlich, dass dieser sterbende Wald in manchen Augen ein trostloses Bild abgibt. Doch ist es auch der Anfang einer wunderbaren Entwicklung hin zu neuen Hochmoorlebensräumen. Torfmoose siedeln sich wieder an, ausgeprägte Schwingrasen wachsen allmählich vom Ufer in die Wasserflächen hinein. Ganzlangsam, mit ca. 1mm pro Jahr, bildet sich neuer Torf. Bei günstigen Temperaturen und ausreichenden Niederschlägen kann sich im Laufe vieler Jahre schließlich ein neues Hochmoor bilden. Hier leben Arten, die in keinem anderen Lebensraum zu finden sind: Zum Beispiel das Wollgras, das seine weißen Fruchtstände sanft im Wind wiegt, oder der Sonnentau, der mit Insekten und anderen Kleinlebewesen seinen Speiseplan ergänzt. Auch Schmetterlinge wie der stark gefährdete Hochmoorgelbling, die ihre Eier nur an Hochmoorpflanzen ablegen können, finden hier wieder ein Refugium. Die wiedervernässten und renaturierten Torfabbauflächen ergänzen heute die noch ursprünglichen und unberührten Hochmoorbereiche, die das Wurzacher Ried so einzigartig in Mitteleuropa machen. So erscheinen selbst sterbende Bäume in einem positiven Licht.
 

 

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